Split-Canopy öffnet dichte Pflanzen ohne Topping oder Netz: Haupt- und Seitentriebe werden paarweise nach außen geführt, damit Licht tiefer eindringt und die Krone gleichmäßiger wird.
Split-Canopy ist eine strukturierte Low-Stress-Trainingsmethode, bei der das Kronendach nicht ringförmig, spiralig oder unter einem Netz aufgebaut wird, sondern gezielt in zwei offene Hälften aufgeteilt wird. Ziel ist eine Art „Lichtkorridor“ durch die Pflanzenmitte: Der innere Bereich wird geöffnet, dominante Triebe werden seitlich geführt und die Krone verteilt sich breiter nach links und rechts.
Diese Methode eignet sich besonders für Pflanzen, die von Natur aus sehr buschig wachsen oder im Zentrum schnell zu dicht werden. Im Unterschied zu klassischem LST, Tie-Down-Ring, Spiral-LST oder SCROG liegt der Fokus hier nicht auf einer kreisförmigen oder netzbasierten Flächenfüllung, sondern auf der bewussten Entlastung der Pflanzenmitte.
Richtig angewendet verbessert die Methode vor allem:
Das Training ersetzt weder starkes HST noch eine SCROG-Struktur. Es ist eine eigenständige Form von gezieltem Spreizen und Führen.
Split-Canopy wird in der Vegetationsphase begonnen, wenn die Pflanze bereits mehrere stabile Nodien gebildet hat und die Triebe noch flexibel sind.
Geeignet ist meist:
In der frühen Blüte-Stretchphase kann man bestehende Binder noch vorsichtig nachführen, aber keine harten Korrekturen mehr erzwingen. Ab etwa Woche 3 der Blüte sollte kein starkes Umformen mehr stattfinden.
Statt alle Triebe rund um den Topf zu verteilen, arbeitest du mit einer linken und rechten Kronenseite. Die Mitte bleibt bewusst offener.
Das Prinzip:
So entsteht keine runde Scheibe wie beim Ring-LST, sondern eher eine breitgezogene, mittig geöffnete Krone.
Betrachte die Pflanze von oben. Markiere gedanklich:
Ziel ist nicht, jeden Trieb sofort zu fixieren, sondern zuerst die Wuchsachse zu erkennen.
Biege den Haupttrieb oder obersten dominanten Trieb sanft seitlich aus der Mitte. Arbeite langsam, am besten in kleinen Etappen. Fixiere ihn mit weichem Pflanzenbinder an einem äußeren Ankerpunkt.
Wichtig:
Nun führst du die kräftigsten Seitentriebe paarweise nach außen:
Dadurch bleibt zwischen beiden Hälften ein offener Bereich, durch den Licht tiefer in die Pflanze fällt.
Wenn ein Trieb deutlich schneller wächst als die anderen, wird er etwas stärker abgesenkt als seine Nachbarn. Schwächere Triebe lässt du steiler stehen. So nivellierst du das Kronendach, ohne die gesamte Pflanze in ein starres Schema zu zwingen.
Während der Vegetation kontrollierst du das Training alle 2–3 Tage. Neue Spitzen wachsen wieder nach oben; diese werden erneut leicht nach außen orientiert. Split-Canopy lebt von mehreren kleinen Korrekturen, nicht von einem einzigen starken Eingriff.
Sehr junge Pflanzen mit wenig Seitenstruktur profitieren kaum davon. Warte, bis genug Triebe vorhanden sind.
Wenn du die Mitte abrupt auseinanderziehst, steigt das Risiko für Risse oder gequetschte Leitungsbahnen.
Ohne Nachführung schließen viele Pflanzen den Lichtkorridor schnell wieder. Die Methode funktioniert nur, wenn du neue innere Spitzen konsequent umlenkst.
Split-Canopy braucht kein Netz und zielt nicht auf vollständige Rasterfüllung. Es ist ein freies Strukturtraining.
Besonders nützlich ist Split-Canopy bei:
Weniger sinnvoll ist sie bei sehr schlanken, bereits offen wachsenden Pflanzen, die von Natur aus kaum ein dichtes Zentrum bilden.
Split-Canopy ist eine präzise, aber einfache Strukturmethode für die Vegetationsphase. Statt die Pflanze kreisförmig oder netzbasiert zu formen, öffnest du bewusst die Mitte und verteilst die Krone in zwei Seiten. Das verbessert die Lichtverteilung, reduziert Selbstbeschattung und schafft ein kontrollierteres, breiteres Kronendach mit wenig Stress.
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