🌡️ Grünlandtemperatursumme (GTS)

Alles was Gärtner wissen müssen: Wie die GTS berechnet wird, was die 10 phänologischen Jahreszeiten bedeuten und wann du welche Pflanzen sicher einpflanzen kannst.

🌱 Was ist die Grünlandtemperatursumme?

Die Grünlandtemperatursumme, kurz GTS, ist eine der wichtigsten Kennzahlen in der Phänologie – der Wissenschaft vom Einfluss des Klimas auf die Entwicklung von Pflanzen und Tieren. Sie gibt an, wie viel Wärme sich seit dem 1. Januar eines Jahres angesammelt hat.

Anders als der Kalender orientiert sich die GTS nicht an fixen Daten, sondern am tatsächlichen Wetter. Ein milder Januar treibt die GTS früh in die Höhe – ein kalter Frühling lässt sie stagnieren. Für Gärtner ist das viel aussagekräftiger als ein Blick auf den Kalender.

💡 Kurz gesagt: Die GTS ist ein Wärme-Konto, das am 1. Januar bei null startet und täglich um die Tagesmitteltemperatur erhöht wird – aber nur, wenn diese über 0°C liegt.

🧮 Wie wird die GTS berechnet?

Die Berechnung ist einfach: Alle Tagesmitteltemperaturen über 0°C werden ab dem 1. Januar summiert. Tage mit negativen Temperaturen fließen nicht ein – sie „stoppen" die GTS aber auch nicht.

GTS = Σ Tmax>0°C (Tagesmitteltemperatur) ab 1. Januar Beispiel: 1. Januar: 2,3°C → GTS = 2,3 2. Januar: -1,5°C → GTS = 2,3 (unverändert) 3. Januar: 4,1°C → GTS = 6,4 4. Januar: 6,0°C → GTS = 12,4 ...und so weiter bis 31. Dezember

In Deutschland liegt die GTS am Jahresende typischerweise zwischen 2.500 und 3.800, je nach Region. Das Rheintal, der Kaiserstuhl oder die Kölner Bucht erreichen deutlich höhere Werte als Bayern oder Norddeutschland.

⚠️ Warum unterscheiden sich benachbarte Orte so stark? Weil sich kleine Temperaturunterschiede jeden Tag aufaddieren. Ein Ort der täglich 1°C wärmer ist hat nach 200 Tagen 200 GTS-Punkte Vorsprung. Städtische Wärmeinseln, Tallagen und Südhanglage machen diesen Effekt besonders spürbar.

🍃 Die 10 phänologischen Jahreszeiten

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) unterteilt das Jahr in 10 phänologische Jahreszeiten. Anders als die astronomischen vier Jahreszeiten spiegeln sie den echten Entwicklungsstand der Natur wider. Jede Jahreszeit ist durch bestimmte Pflanzen-Ereignisse definiert – Blüte, Blattaustrieb oder Fruchtreife.

Die unten angegebenen GTS-Bereiche sind Richtwerte für den deutschen Durchschnitt. In wärmeren Regionen (Rhein, Mosel, Bodensee) treten die Phasen bei niedrigeren Werten ein, in kälteren Lagen etwas später.

# Jahreszeit GTS (ca.) Zeigerpflanzen Typischer Zeitraum (DE)
1 Vorfrühling 0 – 50 Hasel blüht, Schneeglöckchen Februar
2 Erstfrühling 50 – 150 Forsythie, Salweide blüht März – Mitte April
3 Vollfrühling 150 – 300 Apfelblüte, Flieder April – Mitte Mai
4 Frühsommer 300 – 500 Schwarzer Holunder blüht Mai – Mitte Juni
5 Hochsommer 500 – 900 Linde blüht, Weizen reift Juni – August
6 Spätsommer 900 – 1 200 Holunderbeeren reifen, Heidekraut August – September
7 Frühherbst 1 200 – 1 500 Erste Laubfärbung September
8 Vollherbst 1 500 – 1 900 Hauptlaubfall Oktober
9 Spätherbst 1 900 – 2 200 Winterlinde laublos Oktober – November
10 Winter 2 200+ Kein Wachstum, Ruhephase November – Januar

🥕 Pflanzkalender: Ab welcher GTS was pflanzen?

Das ist die praktischste Anwendung der GTS für Gärtner. Statt ein festes Datum zu nennen – was wegen der Wettervariabilität wenig hilft – gibt die GTS den echten Reifegrad der Saison an. Warte immer zusätzlich auf die letzte Frostprognose für deine Region.

🫛 Dicke Bohnen
Ab GTS 50
Erstfrühling · frosthart bis -5°C
🥗 Salat, Spinat
Ab GTS 80
Erstfrühling · verträgt leichten Frost
🌿 Kräuter (Petersilie, Schnittlauch)
Ab GTS 100
Erstfrühling bis Vollfrühling
🥦 Brokkoli, Kohl
Ab GTS 120
Vollfrühling · verträgt leichten Frost
🥕 Karotten, Rote Bete
Ab GTS 150
Vollfrühling
🫘 Stangenbohnen
Ab GTS 280
Vollfrühling – nach letztem Frost
🍅 Tomaten
Ab GTS 300 – 350
Frühsommer · kein Frost mehr!
🌶️ Paprika, Chili
Ab GTS 350
Frühsommer · wärmeliebend
🥒 Gurken, Zucchini
Ab GTS 300
Frühsommer · kein Frost mehr!
🌽 Mais
Ab GTS 300
Frühsommer
🎃 Kürbis, Melone
Ab GTS 350 – 400
Frühsommer · sehr wärmeliebend
🌻 Sonnenblumen
Ab GTS 250
Vollfrühling bis Frühsommer

🌡️ Wichtig: Die GTS-Werte im Pflanzkalender sind Richtwerte für den norddeutschen Flachland-Durchschnitt. In wärmeren Regionen wie dem Rheintal oder Weinbaugebieten können die Werte 20–30% niedriger liegen. Prüfe immer zusätzlich die lokale 10-Tage-Frostprognose.

📅 GTS vs. Kalender: Was ist besser?

Der Kalender gibt feste Daten – die Natur nicht. Ein früher Frühling 2024 bedeutete, dass Tomaten in manchen Regionen bereits Mitte April sicher ausgepflanzt werden konnten, während ein später Frühling 2021 das Auspflanzen bis Ende Mai verschob.

Die GTS löst dieses Problem: Ein GTS-Wert von 300 bedeutet immer dasselbe – gleichgültig ob er am 25. April oder am 10. Mai erreicht wird. Das macht die GTS zum verlässlichsten Werkzeug für die Garten-Planung.

Vergleich: Typische GTS-Werte nach Region (Jahresmittel)

Region Jahres-GTS (ca.) Klimacharakter
Oberrhein / Kaiserstuhl3 400 – 3 800Wärmste Region Deutschlands
Rhein-Main / Köln3 000 – 3 400Mild, geringe Frosttage
Berlin / Brandenburg2 700 – 3 100Kontinental, trockener
Bayern (Flachland)2 800 – 3 200Wärmer Sommer, kalte Winter
Norddeutschland / Küste2 500 – 2 900Kühl, gleichmäßiger
Voralpen / Mittelgebirge1 800 – 2 500Kühl, viel Niederschlag
Wien / Ostösterreich3 200 – 3 600Kontinental, warm
Zürich / Schweizer Mittelland2 600 – 3 000Gemäßigt

🌿 GTS und der Outdoor-Anbau

Die GTS ist nicht nur für Gemüsegärtner relevant. Auch wer Pflanzen im Freiland anbaut, die einen langen und warmen Sommer brauchen – ob mediterrane Kräuter, Chili-Züchtungen oder andere wärmeliebende Kulturen – profitiert stark von der GTS als Planungsinstrument.

Grundregel für alle wärmeliebenden Outdoor-Kulturen: Nicht vor GTS 280–300 auspflanzen, und immer die 14-Tage-Wettervorhersage im Blick behalten. Spätfröste können noch bis Mitte Mai auftreten – die sogenannten „Eisheiligen" (11.–15. Mai) sind ein bekanntes Beispiel.

GrowPilot.guide berechnet die aktuelle GTS für deinen Standort direkt in der App – basierend auf deiner PLZ. So siehst du auf einen Blick, welche phänologische Jahreszeit bei dir gerade herrscht.

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❓ Häufige Fragen zur GTS

Wann beginnt die GTS-Zählung?

Die GTS beginnt immer am 1. Januar bei null und wird täglich summiert. Es gibt keine Rücksetzung bei Frost – negative Temperaturen werden einfach ignoriert (kein negativer Beitrag).

Was bedeutet GTS 200?

Ein GTS-Wert von 200 entspricht in den meisten deutschen Regionen dem Vollfrühling. Robustere Pflanzen wie Salat, Spinat, Möhren und Kohlrabi können bereits gepflanzt werden. Wärmeliebende Kulturen wie Tomaten oder Gurken sollten noch warten.

Gibt es eine offizielle GTS-Quelle?

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) veröffentlicht offizielle phänologische Beobachtungsdaten. Für die tägliche GTS-Berechnung nutzen Plattformen wie GrowPilot.guide die Wetterdaten der Open-Meteo API, die auf Daten des ECMWF und lokaler Messstationen basiert.

Warum ist die GTS Anfang Januar immer null oder sehr niedrig?

Weil die Zählung am 1. Januar startet und die ersten Januarwochen oft unter 0°C liegen. Selbst wenn es vereinzelt wärme Tage gibt, summiert sich in den ersten zwei Wochen des Jahres kaum etwas. Das ist physikalisch normal und ein bewusster Teil des Konzepts.