Alles was Gärtner wissen müssen: Wie die GTS berechnet wird, was die 10 phänologischen Jahreszeiten bedeuten und wann du welche Pflanzen sicher einpflanzen kannst.
Die Grünlandtemperatursumme, kurz GTS, ist eine der wichtigsten Kennzahlen in der Phänologie – der Wissenschaft vom Einfluss des Klimas auf die Entwicklung von Pflanzen und Tieren. Sie gibt an, wie viel Wärme sich seit dem 1. Januar eines Jahres angesammelt hat.
Anders als der Kalender orientiert sich die GTS nicht an fixen Daten, sondern am tatsächlichen Wetter. Ein milder Januar treibt die GTS früh in die Höhe – ein kalter Frühling lässt sie stagnieren. Für Gärtner ist das viel aussagekräftiger als ein Blick auf den Kalender.
💡 Kurz gesagt: Die GTS ist ein Wärme-Konto, das am 1. Januar bei null startet und täglich um die Tagesmitteltemperatur erhöht wird – aber nur, wenn diese über 0°C liegt.
Die Berechnung ist einfach: Alle Tagesmitteltemperaturen über 0°C werden ab dem 1. Januar summiert. Tage mit negativen Temperaturen fließen nicht ein – sie „stoppen" die GTS aber auch nicht.
In Deutschland liegt die GTS am Jahresende typischerweise zwischen 2.500 und 3.800, je nach Region. Das Rheintal, der Kaiserstuhl oder die Kölner Bucht erreichen deutlich höhere Werte als Bayern oder Norddeutschland.
⚠️ Warum unterscheiden sich benachbarte Orte so stark? Weil sich kleine Temperaturunterschiede jeden Tag aufaddieren. Ein Ort der täglich 1°C wärmer ist hat nach 200 Tagen 200 GTS-Punkte Vorsprung. Städtische Wärmeinseln, Tallagen und Südhanglage machen diesen Effekt besonders spürbar.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) unterteilt das Jahr in 10 phänologische Jahreszeiten. Anders als die astronomischen vier Jahreszeiten spiegeln sie den echten Entwicklungsstand der Natur wider. Jede Jahreszeit ist durch bestimmte Pflanzen-Ereignisse definiert – Blüte, Blattaustrieb oder Fruchtreife.
Die unten angegebenen GTS-Bereiche sind Richtwerte für den deutschen Durchschnitt. In wärmeren Regionen (Rhein, Mosel, Bodensee) treten die Phasen bei niedrigeren Werten ein, in kälteren Lagen etwas später.
| # | Jahreszeit | GTS (ca.) | Zeigerpflanzen | Typischer Zeitraum (DE) |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Vorfrühling | 0 – 50 | Hasel blüht, Schneeglöckchen | Februar |
| 2 | Erstfrühling | 50 – 150 | Forsythie, Salweide blüht | März – Mitte April |
| 3 | Vollfrühling | 150 – 300 | Apfelblüte, Flieder | April – Mitte Mai |
| 4 | Frühsommer | 300 – 500 | Schwarzer Holunder blüht | Mai – Mitte Juni |
| 5 | Hochsommer | 500 – 900 | Linde blüht, Weizen reift | Juni – August |
| 6 | Spätsommer | 900 – 1 200 | Holunderbeeren reifen, Heidekraut | August – September |
| 7 | Frühherbst | 1 200 – 1 500 | Erste Laubfärbung | September |
| 8 | Vollherbst | 1 500 – 1 900 | Hauptlaubfall | Oktober |
| 9 | Spätherbst | 1 900 – 2 200 | Winterlinde laublos | Oktober – November |
| 10 | Winter | 2 200+ | Kein Wachstum, Ruhephase | November – Januar |
Das ist die praktischste Anwendung der GTS für Gärtner. Statt ein festes Datum zu nennen – was wegen der Wettervariabilität wenig hilft – gibt die GTS den echten Reifegrad der Saison an. Warte immer zusätzlich auf die letzte Frostprognose für deine Region.
🌡️ Wichtig: Die GTS-Werte im Pflanzkalender sind Richtwerte für den norddeutschen Flachland-Durchschnitt. In wärmeren Regionen wie dem Rheintal oder Weinbaugebieten können die Werte 20–30% niedriger liegen. Prüfe immer zusätzlich die lokale 10-Tage-Frostprognose.
Der Kalender gibt feste Daten – die Natur nicht. Ein früher Frühling 2024 bedeutete, dass Tomaten in manchen Regionen bereits Mitte April sicher ausgepflanzt werden konnten, während ein später Frühling 2021 das Auspflanzen bis Ende Mai verschob.
Die GTS löst dieses Problem: Ein GTS-Wert von 300 bedeutet immer dasselbe – gleichgültig ob er am 25. April oder am 10. Mai erreicht wird. Das macht die GTS zum verlässlichsten Werkzeug für die Garten-Planung.
| Region | Jahres-GTS (ca.) | Klimacharakter |
|---|---|---|
| Oberrhein / Kaiserstuhl | 3 400 – 3 800 | Wärmste Region Deutschlands |
| Rhein-Main / Köln | 3 000 – 3 400 | Mild, geringe Frosttage |
| Berlin / Brandenburg | 2 700 – 3 100 | Kontinental, trockener |
| Bayern (Flachland) | 2 800 – 3 200 | Wärmer Sommer, kalte Winter |
| Norddeutschland / Küste | 2 500 – 2 900 | Kühl, gleichmäßiger |
| Voralpen / Mittelgebirge | 1 800 – 2 500 | Kühl, viel Niederschlag |
| Wien / Ostösterreich | 3 200 – 3 600 | Kontinental, warm |
| Zürich / Schweizer Mittelland | 2 600 – 3 000 | Gemäßigt |
Die GTS ist nicht nur für Gemüsegärtner relevant. Auch wer Pflanzen im Freiland anbaut, die einen langen und warmen Sommer brauchen – ob mediterrane Kräuter, Chili-Züchtungen oder andere wärmeliebende Kulturen – profitiert stark von der GTS als Planungsinstrument.
Grundregel für alle wärmeliebenden Outdoor-Kulturen: Nicht vor GTS 280–300 auspflanzen, und immer die 14-Tage-Wettervorhersage im Blick behalten. Spätfröste können noch bis Mitte Mai auftreten – die sogenannten „Eisheiligen" (11.–15. Mai) sind ein bekanntes Beispiel.
GrowPilot.guide berechnet die aktuelle GTS für deinen Standort direkt in der App – basierend auf deiner PLZ. So siehst du auf einen Blick, welche phänologische Jahreszeit bei dir gerade herrscht.
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Jetzt GTS für meinen Standort anzeigen →Die GTS beginnt immer am 1. Januar bei null und wird täglich summiert. Es gibt keine Rücksetzung bei Frost – negative Temperaturen werden einfach ignoriert (kein negativer Beitrag).
Ein GTS-Wert von 200 entspricht in den meisten deutschen Regionen dem Vollfrühling. Robustere Pflanzen wie Salat, Spinat, Möhren und Kohlrabi können bereits gepflanzt werden. Wärmeliebende Kulturen wie Tomaten oder Gurken sollten noch warten.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) veröffentlicht offizielle phänologische Beobachtungsdaten. Für die tägliche GTS-Berechnung nutzen Plattformen wie GrowPilot.guide die Wetterdaten der Open-Meteo API, die auf Daten des ECMWF und lokaler Messstationen basiert.
Weil die Zählung am 1. Januar startet und die ersten Januarwochen oft unter 0°C liegen. Selbst wenn es vereinzelt wärme Tage gibt, summiert sich in den ersten zwei Wochen des Jahres kaum etwas. Das ist physikalisch normal und ein bewusster Teil des Konzepts.