Ein schräg gesetztes SCROG-Netz gleicht ungleich hohe Triebe aus, ohne harte Eingriffe. Ideal, um asymmetrische Pflanzen in der Vegetation und im Stretch sauber zu nivellieren.
## Einführung
**Leaning SCROG** ist eine spezielle Variante des Screen of Green, bei der das Netz **nicht waagrecht**, sondern **leicht schräg** montiert wird. Ziel ist es, Pflanzen mit **deutlich ungleich starkem Wuchs** besser auszugleichen, ohne sofort zu Topping, Supercropping oder starkem Rückschnitt zu greifen. Die Methode ist besonders nützlich, wenn eine Pflanze nach frühem Wachstum, leichtem Stress oder genetisch bedingter Asymmetrie eine Seite deutlich stärker entwickelt als die andere.
Im Unterschied zum klassischen SCROG geht es hier **nicht primär um maximale Flächenfüllung**, sondern um die **gezielte Nivellierung eines schiefen Kronendachs**. Dadurch lässt sich Licht gleichmäßiger verteilen, und schwächere Triebe bekommen bessere Chancen, auf dieselbe Höhe nachzuziehen.
## Wann diese Technik sinnvoll ist
Leaning SCROG passt vor allem in zwei Situationen:
- eine Pflanze wächst **einseitig** oder kippt optisch in eine Richtung
- einzelne Haupttriebe sind **deutlich höher** als der Rest, ohne dass die ganze Pflanze klassisch trainiert werden soll
Diese Technik eignet sich am besten für die **späte Vegetationsphase** und den **frühen Blüte-Stretch**. In dieser Zeit sind Triebe noch flexibel genug, um sauber unter dem Netz geführt zu werden.
**Nicht geeignet** ist die Methode für späte Blütephasen, weil dort kaum noch strukturelle Korrekturen vorgenommen werden sollten.
## Grundprinzip des schrägen Netzes
Statt das Netz überall auf gleicher Höhe zu spannen, wird eine Seite **etwas tiefer** gesetzt als die andere. Der Höhenunterschied muss nicht groß sein. In der Praxis reicht meist eine **moderate Schräge**, damit hohe Triebe früher am Netz anliegen und umgelenkt werden, während schwächere Bereiche mehr vertikalen Spielraum behalten.
So entsteht ein kontrollierter Ausgleich:
- **zu dominante Triebe** treffen früher auf Widerstand
- **schwächere Triebe** dürfen länger aufholen
- die Canopy wird mit weniger Einzelkorrekturen gleichmäßiger
Wichtig ist, die Schräge **gezielt zur Wuchsform** auszurichten: Die Seite mit den **stärkeren, höheren Trieben** bekommt die **niedrigere Netzseite**.
## Aufbau und Vorbereitung
Für Leaning SCROG brauchst du:
- ein stabiles Netz oder Gitter
- einen Rahmen mit verstellbarer Höhe
- weiche Pflanzenbinder für einzelne Korrekturen
Beim Aufbau gilt:
- Netz so montieren, dass die Schräge **klar, aber nicht extrem** ist
- Maschen sollten groß genug sein, um Triebe sauber zu führen
- das Netz muss straff sitzen, damit Zugkräfte nicht nachgeben
Vor dem Start sollte die Pflanze gesund sein und mehrere gut entwickelte Triebe besitzen. Sehr kleine oder frisch gestresste Pflanzen sind dafür ungeeignet.
## Durchführung in der Vegetationsphase
Sobald die ersten Triebe das Netz erreichen, beginnt das eigentliche Training.
### Hohe Triebe bremsen
Die dominantesten Triebe werden **seitlich unter die niedrigere Netzseite** geführt. Dadurch verlieren sie ihre Höhenführung und verteilen ihr Wachstum stärker horizontal.
Wichtig:
- immer **sanft biegen**, nie ruckartig drücken
- Triebe lieber in mehreren kleinen Korrekturen als in einem starken Zug umlenken
- jede neue Spitze in eine freie Masche weiterführen
### Schwächere Triebe fördern
Schwächere oder tiefer stehende Triebe werden auf der höheren Netzseite **weniger stark umgelenkt**. Sie dürfen näher zur Netzoberkante wachsen und so Höhe aufholen.
Das ist der eigentliche Vorteil dieser Technik: Nicht alle Triebe werden identisch behandelt, sondern die Netzgeometrie übernimmt einen Teil der Korrektur.
## Management im frühen Blüte-Stretch
Wenn die Pflanze in die Blüte übergeht und der Stretch einsetzt, wird Leaning SCROG noch einmal aktiv genutzt. In dieser Phase wachsen viele Triebe schnell nach oben. Jetzt werden Spitzen weiterhin so gesteckt, dass sich die Oberfläche angleicht.
Dabei gilt:
- nur **früher Stretch**, solange Triebe noch biegsam sind
- keine harten Knicke oder Quetschungen erzeugen
- Ziel ist eine **gleichmäßige Endhöhe** über der gesamten Fläche
Sobald der Stretch weitgehend vorbei ist und die Triebe verholzen, endet das strukturelle Training. Ab dann sollte nur noch kontrolliert werden, ob einzelne Spitzen sauber stehen und nicht gegeneinander drücken.
## Häufige Fehler
- **zu starke Schräge**: führt zu unnatürlicher Belastung und schlechter Flächennutzung
- **falsche Ausrichtung**: die hohe Netzseite wird versehentlich über dominante Triebe gesetzt
- **zu spätes Starten**: starre Triebe lassen sich nicht mehr sauber führen
- **zu dichtes Stecken**: Triebe liegen übereinander statt nebeneinander
## Fazit
Leaning SCROG ist eine sinnvolle Spezialtechnik für Pflanzen mit **ungleichem Kronenaufbau**, wenn ein normales waagrechtes Netz die Unterschiede nicht sauber ausgleicht. Durch die **bewusst schräge Netzebene** werden starke Triebe gebremst und schwächere Bereiche gefördert, ohne dass starke HST-Maßnahmen nötig sind. Richtig eingesetzt entsteht ein deutlich gleichmäßigeres Kronendach mit besserer Lichtverteilung und kontrollierterem Wuchs.
## Profi-Tipps
- Setze die tiefere Netzseite immer über die höheren Triebe.
- Korrigiere täglich in kleinen Schritten statt selten und stark.
- Beginne erst bei stabilen, gesunden Pflanzen mit mehreren Trieben.
- Nutze die Technik nur bis in den frühen Stretch hinein.
- Vermeide überfüllte Maschen, damit jede Spitze ihren Platz hat.
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