Cannabis nach Regen ernten: Nasse Buds sicher retten und richtig trocknen Anbaukunde

Cannabis nach Regen ernten: Nasse Buds sicher retten und richtig trocknen

25. September 2026

Dieser Anbaukunde-Guide zeigt dir, wie du nasse Cannabisblüten nach Regen richtig beurteilst, Schimmel vermeidest, sicher erntest und mit präziser Trocknung selbst kritische Outdoor-Ernten retten kannst.

Einleitung — Was du wissen musst

Regen kurz vor oder während der Ernte gehört zu den heikelsten Situationen im Outdoor-Anbau von Cannabis. Viele Hobbyzüchter machen in genau diesem Moment den entscheidenden Fehler: Sie handeln entweder zu panisch und schneiden alles sofort ab, obwohl die Pflanzen noch tropfnass sind, oder sie warten zu lange in der Hoffnung, dass „schon nichts passiert“. Beides kann teuer werden. Zu frühes, unüberlegtes Ernten erhöht das Risiko für Schimmelbildung beim Trocknen massiv. Zu langes Warten im feuchten Blütendach kann dagegen innerhalb von 24 bis 72 Stunden zu Botrytis, bakteriellen Problemen oder Qualitätsverlust durch geplatzte Trichome, degradierte Terpene und oxidierte Pflanzengewebe führen.

Wenn Cannabis nach Regen geerntet werden muss, ist nicht die Nässe an sich das Hauptproblem, sondern die Kombination aus freier Wasserfilm auf den Blüten, hoher Luftfeuchtigkeit, schlechter Luftzirkulation, dichten Colas, bereits reifer oder überreifer Blütenstruktur und oft mikroskopischen Vorschäden im Gewebe. Gerade späte Blütephasen sind kritisch: Die Buds sind dicht, enthalten viel Zuckerblattmasse, das Mikroklima im Inneren ist warm-feucht, und Pilzsporen finden ideale Bedingungen.

Die gute Nachricht: Nasse Buds sind nicht automatisch verloren. Mit einem sauberen, ruhigen und systematischen Vorgehen lassen sich auch nach Starkregen, Tau, Nebel oder Gewittern noch sehr gute Ergebnisse erzielen. Entscheidend ist, dass du die Situation richtig diagnostizierst, zwischen oberflächlicher Nässe und beginnender Fäulnis unterscheidest und dann die Trocknung so steuerst, dass die äußere Feuchtigkeit schnell genug wegkommt, ohne die Blüten zu schocken oder die inneren Gewebe zu „versiegeln“.

In diesem Guide lernst du:

Dieser Guide richtet sich an Hobbyzüchter, die nicht nur „irgendwie trocknen“ wollen, sondern verstehen möchten, warum nasse Buds so riskant sind und welche Stellschrauben biologisch und praktisch wirklich zählen.

Grundlagen

Um nasse Cannabisblüten richtig zu behandeln, muss man die grundlegenden biologischen und physikalischen Prozesse verstehen. Viele Probleme entstehen nicht während des Regens selbst, sondern in den Stunden danach.

Warum Regen bei reifen Buds so problematisch ist

Cannabisblüten sind komplexe, dichte Pflanzenstrukturen aus:

Wenn Regenwasser auf die Buds trifft, passiert mehr als nur „sie werden nass“:

- Tropfen sitzen auf Zuckerblättern und Blütenoberflächen.

- Bei dichten Colas dringt Wasser kapillar in Zwischenräume ein.

- Direkt an der Blütenoberfläche entsteht ein Mikroklima mit nahezu 100 % relativer Luftfeuchtigkeit.

- Selbst wenn die Umgebungsluft später wieder trockener wird, bleibt das Innere der Buds lange feucht.

- Dichte Blüten trocknen außen schneller als innen.

- Dadurch kann sich im Kern über Stunden bis Tage Feuchtigkeit halten.

- Botrytis cinerea, verschiedene Schimmelpilze und opportunistische Mikroorganismen nutzen genau solche Bedingungen.

- Bereits vorhandene Sporen brauchen oft nur freie Feuchtigkeit und genügend Zeit.

Botrytis: der Hauptgegner nach Regen

Der häufigste Totalschaden nach Regen in der späten Blüte ist Botrytis cinerea, auch Grauschimmel oder Bud Rot genannt. Dieser Pilz befällt bevorzugt dichtes, reifes und feuchtes Pflanzenmaterial. Besonders tückisch: Botrytis beginnt oft im Inneren der Blüte, wo man sie von außen zunächst nicht sieht.

Typische Bedingungen für stark erhöhtes Risiko:

Warum nicht einfach „schnell heiß trocknen“?

Ein häufiger Reflex ist, nasse Buds mit Wärme „wegzutrocknen“. Das ist meist kontraproduktiv. Zu hohe Temperaturen führen zu:

Für hochwertige Trocknung gelten normalerweise etwa:

Bei nassen Buds darf die Anfangsphase etwas „aktiver“ gesteuert werden, aber ohne Hitzeschock. Praktisch sinnvoll ist oft:

Wasseraktivität und warum sie wichtiger ist als bloße Nässe

Nicht jede Feuchtigkeit ist biologisch gleich relevant. Entscheidend für mikrobielles Wachstum ist die Wasseraktivität. Vereinfacht: Wie viel Wasser steht Mikroorganismen tatsächlich zur Verfügung? Frisch geerntete, nasse Buds haben anfangs eine extrem hohe verfügbare Feuchte. Schimmel braucht keine Pfützen, sondern nur ausreichend feuchtes Gewebe und Zeit.

Das erklärt, warum zwei Ernten mit gleicher äußerer Nässe unterschiedlich enden können:

Reifegrad und Regen: eine kritische Kombination

Je reifer die Blüte, desto empfindlicher ist sie oft gegenüber langer Nässe. Späte Blüte bedeutet:

Wenn die Trichome bereits überwiegend milchig und ein Teil bernsteinfarben ist, kann starkes Regenwetter den Ausschlag geben, lieber zu ernten als weiter zu warten.

pH-Wert: spielt er hier eine Rolle?

Der pH-Wert ist bei der Frage „nasse Buds nach Regen“ kein primärer Steuerfaktor wie bei Nährstoffaufnahme oder Gießwasser. Relevant ist eher die mikrobiologische Belastung und das Feuchteprofil. Wenn manche Grower von Wasserstoffperoxid- oder Waschlösungen sprechen, dann kann deren pH eine Nebenrolle spielen, aber für die Ernteentscheidung selbst sind Feuchtigkeit, Temperatur, Luftbewegung und Infektionsstatus wesentlich wichtiger.

Erkennung & Diagnose

Bevor du irgendetwas abschneidest oder in den Trockenraum hängst, musst du die Lage präzise einschätzen. Das Ziel ist, drei Dinge zu unterscheiden:

Sofort-Inspektion direkt an der Pflanze

Prüfe jede Pflanze systematisch von oben nach unten. Besonders gefährdet sind:

Achte auf folgende Anzeichen:

Der Zuckerblatt-Test

Ein sehr nützlicher Praxis-Trick: Ziehe vorsichtig an einzelnen kleinen Zuckerblättern, die aus dichten Buds herausragen.

Der Aufbiege-Test

Dichte Buds sollte man vorsichtig seitlich öffnen, ohne sie zu zerreißen. Nutze Handschuhe und gutes Licht. So erkennst du:

Geruchsdiagnostik

Gesunde reife Buds riechen sortentypisch: harzig, fruchtig, gasig, würzig, skunkig, erdig. Problematisch sind:

Geruch ist kein alleiniger Beweis, aber ein sehr guter Frühindikator.

Diagnosetabelle: Was bedeuten die Symptome?

SymptomWahrscheinliche UrsacheRisikoSofortmaßnahme
|---|---|---:|---|

Buds außen nass, innen frisch, kein MuffRegen/Tau ohne InfektionMittelErnte verzögern oder selektiv ernten, dann aktiv trocknen
Zuckerblätter kleben zusammen, aber Gewebe grünOberflächenfeuchte, dichte StrukturMittel bis hochAusdünnen/trimmen, gute Luftführung, engmaschig prüfen
Einzelne Zuckerblätter braun und leicht herausziehbarmöglicher innerer Botrytis-BeginnHochBud öffnen, befallene Teile großzügig entfernen
Graue, braune oder beige Zonen im Bud-KernBotrytis/Bud RotSehr hochBefallenes Material entsorgen, Werkzeuge desinfizieren
Matschige oder weich-faulige Stellenfortgeschrittene FäulnisSehr hochSofort entfernen, nicht trocknen, nicht konsumieren
Muffiger, dumpfer Geruch trotz unauffälliger Oberflächeversteckte Feuchte/SchimmelbeginnHochBuds öffnen, selektiv aussortieren, Trocknung intensiv überwachen
Nur äußere Tropfen, lockere Bud-Struktur, windige Lagegeringe kritische RestfeuchteNiedrig bis mittelNach Abtrocknung unter Dach ernten

Wann ist Warten sinnvoll, wann nicht?

Warten kann sinnvoll sein, wenn:

Sofortiges Handeln ist sinnvoll, wenn:

Risikofaktoren im Überblick

FaktorNiedriges RisikoMittleres RisikoHohes Risiko
|---|---|---|---|
Bud-Dichtelockermittelsehr kompakt
Luftbewegungfrei, windigmäßigstehende Luft
Regenmengekurzer Schauermehrere StundenDauerregen / wiederholt
Temperatur20–26 °C tagsüber15–20 °C10–18 °C mit hoher rF
Luftfeuchteunter 70 % tagsüber70–85 %über 85 % lange Zeit
Reifegradnoch 1–2 Wochen bis Ernteerntereifüberreif
Pflanzengesundheitvital, unbeschädigtleichte SchädenInsektenfraß, Verletzungen

Schritt-für-Schritt-Maßnahmen

Jetzt zum praktischen Teil. Wenn du Cannabis nach Regen ernten musst oder erwägst, gehe strukturiert vor. Das Ziel ist immer:

Schritt 1: Wetter und Zeitfenster realistisch bewerten

Frage dich zuerst:

Praxisregel: Wenn morgens Regen war, aber bis Mittag Sonne, Wind und 50–65 % rF kommen, ist es oft besser, die Pflanze erst nach teilweiser Abtrocknung zu ernten. Wenn jedoch weitere Schauer, Nebel oder 80–95 % rF folgen, ist Zuwarten oft riskanter als eine kontrollierte Nass-Ernte.

Schritt 2: Nicht sofort tropfnass schneiden, wenn es vermeidbar ist

Wenn die Buds sichtbar tropfen, warte idealerweise 1–4 Stunden unter besseren Bedingungen, sofern kein akuter Schimmelverdacht besteht. Schon diese Zeit kann viel freie Oberflächennässe entfernen.

Was du tun kannst:

Wichtig: Nasse Buds niemals aggressiv drücken, wringen oder mit Handtüchern „abtrocknen“. Das beschädigt Trichome und Gewebe.

Schritt 3: Vor der Ernte selektiv prüfen und markieren

Nimm dir Zeit für eine Vorinspektion:

Befallene Partien sofort separat behandeln. Lege drei Kategorien an:

Schritt 4: Befallenes Material großzügig entfernen

Bei Kategorie C gilt: nicht diskutieren, sondern konsequent entfernen.

Nie schimmelige Buds mit gesunden zusammen lagern. Schon beim Trimmen können Sporen verteilt werden.

Schritt 5: Erntestrategie wählen — Ganzpflanze oder Teilernte?

Bei nassen Buds ist die klassische Ganzpflanzen-Trocknung nicht immer ideal. Sie verlangsamt das Trocknen und erhöht bei dichter Biomasse das Risiko. Besser sind oft:

Wet Trim oder Dry Trim bei nassen Buds?

In dieser speziellen Situation ist ein modifiziertes Wet Trim häufig die sicherere Wahl.

Vorteile von Wet Trim bei nassen Buds:

Nachteile:

Praxisempfehlung:

Schritt 6: Trocknungsraum aktiv anpassen

Das ist der wichtigste Rettungsschritt.

Zielwerte für die ersten 12–24 Stunden bei nassen Buds

Nach dem Abtrocknen der Oberflächenfeuchte:

Wenn du keinen Entfeuchter hast, wird es bei Regen-Ernten oft kritisch. In feuchten Klimazonen ist ein Luftentfeuchter kein Luxus, sondern praktisch Pflicht.

Schritt 7: Hängeabstand und Materialmenge reduzieren

Nasse Buds dürfen nicht dicht an dicht hängen.

Empfehlungen:

Sehr dicke Hauptcolas können vorsichtig in kleinere Segmente zerlegt werden, wenn sonst die Kernfeuchte zu lange bleibt.

Schritt 8: Erste 48 Stunden engmaschig kontrollieren

Kontrolliere in den ersten zwei Tagen mindestens 2- bis 4-mal täglich:

Wenn du muffigen Geruch bemerkst, sofort:

Schritt 9: Nicht zu früh in Gläser oder Beutel

Gerade nach Regen ist die Gefahr groß, dass Buds außen trocken wirken, innen aber noch zu feucht sind. Das ist die klassische Schimmelfalle beim Curing.

Faustregeln:

Schritt 10: Curing vorsichtig und kontrolliert starten

Nach einer Regen-Ernte lieber konservativer vorgehen:

Checkliste: Sofortmaßnahmen bei nassen Buds nach Regen

Häufige Fehler & Missverständnisse

Fehler 1: „Regenwasser ist sauber, also ist das nicht schlimm“

Falsch. Das Problem ist nicht nur das Wasser selbst, sondern die lange Feuchtephase im Bud. Regen bringt außerdem Staub, Sporen, Mikroorganismen und mechanische Belastung mit sich.

Fehler 2: Tropfnass ernten und dann in einen normalen Trockenraum hängen

Ein Trockenraum, der für normale Ernten mit 60 % rF funktioniert, kann für nasse Buds in den ersten 12–24 Stunden zu feucht sein. Dann trocknet die Oberfläche nicht schnell genug ab, und das Schimmelrisiko steigt stark.

Fehler 3: Direkter Ventilator auf die Buds

Das trocknet außen zu schnell, während innen Feuchtigkeit bleibt. Ergebnis: harte Außenschicht, feuchter Kern, schlechtes Aroma, erhöhtes Fäulnisrisiko im Inneren.

Fehler 4: Zu heiß trocknen

Temperaturen über 22–24 °C sind bei hochwertigen Blüten meist unnötig riskant. Über 25 °C beschleunigst du Aromaverlust deutlich. Bei 28–30 °C ruinieren viele Grower mehr Qualität, als sie retten.

Fehler 5: Schimmel knapp wegschneiden

Bei Botrytis reicht es nicht, nur den sichtbar grauen Punkt zu entfernen. Das umliegende Gewebe kann bereits unsichtbar infiziert sein. Deshalb immer großzügig wegschneiden.

Fehler 6: Befallene und gesunde Buds gemeinsam trimmen

So verteilst du Sporen auf der ganzen Ernte. Verdächtiges Material immer separat bearbeiten.

Fehler 7: Zu große Colas intakt lassen

Massive Hauptcolas sehen beeindruckend aus, sind nach Regen aber oft der gefährlichste Teil der Ernte. Große Colas trocknen innen extrem langsam. In kritischen Fällen lieber teilen.

Fehler 8: „Außen trocken = fertig“

Ein klassischer Irrtum. Besonders nach Regen kann der Feuchtegradient zwischen außen und innen stark sein. Ohne Hygrometer und Gefühl für Kernfeuchte landen viele Buds zu früh im Glas.

Fehler 9: Wasserstoffperoxid als Allheilmittel sehen

Einige Grower waschen Buds oder nutzen Peroxid-Lösungen. Das kann unter bestimmten Umständen Oberflächenkontamination reduzieren, ist aber kein Heilmittel gegen inneren Bud Rot. Was innen fault, wird durch Waschen nicht gesund.

Fehler 10: Aus Angst alles vorschnell entsorgen

Nicht jede nasse Blüte ist verloren. Gesunde, nur feuchte Buds lassen sich mit kluger Trocknungsführung oft sehr gut retten. Panik ist genauso schädlich wie Nachlässigkeit.

Praxis-Tipps vom Experten

Hier kommen die Feinheiten, die in der Praxis oft den Unterschied machen.

1. Ernte nie nach Kalender, sondern nach Risiko-Matrix

Wenn die Trichome zu 90 % milchig sind, 5–15 % bernstein zeigen und eine mehrtägige Regenfront kommt, ist die Restreife oft weniger wert als das Schimmelrisiko. Viele Outdoor-Grower verlieren Ertrag, weil sie auf „noch 3 Tage mehr“ bestehen.

2. Morgentau ist manchmal fast so problematisch wie Regen

Lange Herbstnächte mit Tau, Nebel und 95–100 % rF können gefährlicher sein als ein kurzer Schauer am Nachmittag. Beobachte nicht nur Niederschlag, sondern auch Taupunkt, Nachtfeuchte und Windstille.

3. Entlaubung vor der Ernte kann retten — aber mit Maß

Wenn länger feuchtes Wetter kommt und die Pflanzen noch stehen, entferne gezielt:

Nicht radikal kahlmachen, aber Luftwege schaffen. Das senkt die Feuchtestauung.

4. Sortenkenntnis ist Gold wert

Dichte Cookies-, Kush- oder moderne Hybrid-Colas reagieren oft empfindlicher auf Regen als luftigere Haze- oder Outdoor-Landrassen-Typen. Wer regelmäßig outdoor anbaut, sollte Schimmelresistenz als echtes Zuchtkriterium ernst nehmen.

5. Die ersten 24 Stunden sind entscheidender als die letzten 3 Trocknungstage

Viele konzentrieren sich auf das Curing, aber die eigentliche Rettung passiert direkt nach der Ernte. Wenn du in dieser Phase Feuchte schnell kontrolliert reduzierst, kannst du die Charge oft stabilisieren.

6. Nutze kleine Chargen statt Massenverarbeitung

Bei Regen-Ernten ist es besser, in Etappen zu arbeiten:

So verlierst du nicht die Übersicht und erkennst Problemzonen schneller.

7. Verdächtige Buds immer aufschneiden, nicht nur anschauen

Botrytis sitzt oft im Kern. Von außen kann ein Bud perfekt aussehen, innen aber schon braun und zerstört sein. Lieber 1–2 Buds „opfern“ und dadurch die gesamte Charge absichern.

8. Ein Entfeuchter mit Hygrostat ist eines der besten Upgrades überhaupt

Gerade im Herbst sind natürliche Bedingungen oft unzuverlässig. Ein Gerät, das auf 50–55 % rF in der Anfangsphase und später 55–60 % rF geregelt werden kann, spart oft ganze Ernten.

9. Handschuhe regelmäßig wechseln

Wenn du Schimmelstellen entfernst und danach gesunde Buds anfasst, verschleppst du Sporen. Das wird häufig unterschätzt. Besser:

10. Geruch ist dein Frühwarnsystem

Noch bevor du Schimmel klar siehst, riechst du oft, dass etwas kippt. Ein sauberer Trockenraum riecht intensiv nach frischer Pflanze und Terpenen, aber nicht dumpf, nicht modrig, nicht „heiß-kompostig“.

11. Große Outdoor-Ernten lieber auf mehreren Ebenen trocknen

Wenn du viel Material hast, stopfe nicht alles in einen Raum. Überladung erhöht lokale Luftfeuchte und erschwert Kontrolle. Lieber:

12. Bei Unsicherheit konservativer trocknen statt riskant curen

Eine minimal trockenere Blüte ist qualitativ meist besser als eine zu feuchte, die im Glas kippt. Übermäßiges Nachtrocknen ist nicht ideal, aber Schimmel im Curing ist deutlich schlimmer.

FAQ — Häufige Fragen

Sollte ich Cannabis direkt nach Regen ernten oder erst trocknen lassen?

Wenn möglich, solltest du die Pflanzen nicht tropfnass ernten. Ideal ist ein Zeitfenster von 1 bis 4 Stunden mit Wind, trockenerer Luft oder Unterstand, damit freie Oberflächennässe verschwindet. Das reduziert das Schimmelrisiko im Trockenraum deutlich.

Aber: Wenn weitere Feuchtigkeit droht, die Pflanzen bereits erntereif sind oder erste Botrytis-Anzeichen sichtbar sind, ist kontrolliertes Ernten oft besser als langes Warten. Die Entscheidung hängt also von drei Faktoren ab:

Als Faustregel gilt: Lieber leicht nasse, aber noch gesunde Buds kontrolliert trocknen als überreife Buds tagelang im feuchten Wetter stehen lassen.

Kann ich nasse Buds mit einem Föhn, Heizlüfter oder in warmer Luft schnell trocknen?

Davon ist abzuraten. Föhn, Heizlüfter oder direkte Wärmequellen erzeugen fast immer eine zu aggressive Trocknung. Das führt zu:

Wenn du aktiv eingreifen musst, arbeite besser mit:

Direkte Hitze ist eine Notlösung mit hohen Qualitätsverlusten und sollte für hochwertige Blüten vermieden werden.

Ist Wet Trim bei Regen-Ernte besser als Dry Trim?

In vielen Fällen ja — zumindest teilweise. Bei sehr nassen, dichten Buds ist ein modifiziertes Wet Trim oft sinnvoller als klassisches Dry Trim. Der Grund: Blätter halten Feuchtigkeit zurück und verschlechtern die Luftzirkulation. Wenn du große Fächerblätter und einen Teil der Zuckerblätter früh entfernst, sinkt das Schimmelrisiko.

Allerdings solltest du nicht unnötig an den nassen Blüten herumarbeiten. Mein Praxisansatz:

Wet Trim ist hier kein Dogma, sondern ein Werkzeug zur Feuchtekontrolle.

Woran erkenne ich sicher, ob ein Bud nur nass oder schon verschimmelt ist?

Sicher erkennst du es durch Kombination mehrerer Merkmale, nicht durch ein einzelnes Zeichen. Unkritische Nässe zeigt sich meist so:

Warnsignale für Schimmel oder Bud Rot sind:

Wenn du unsicher bist, öffne den Bud vorsichtig. Botrytis sitzt oft innen, lange bevor außen etwas deutlich sichtbar ist.

Kann ich Buds waschen, wenn sie nach Regen schmutzig oder belastet sind?

Bud Washing wird von manchen Growern genutzt, um Staub, Insektenreste oder Oberflächenpartikel zu entfernen. Das kann in bestimmten Outdoor-Situationen sinnvoll sein, ist aber bei bereits kritischer Feuchtigkeit nur mit Bedacht zu sehen. Denn Waschen erhöht zunächst die Nässebelastung weiter und verlangt eine sehr kontrollierte Trocknung.

Wichtig zu verstehen:

Wenn du wäschst, brauchst du danach exzellente Bedingungen:

Für bereits regengetränkte, dichte Herbstbuds ist zusätzliche Nässe oft eher ein Zusatzrisiko als ein Vorteil.

Wie lange dauert das Trocknen von nassen Buds nach Regen?

Das hängt stark von Bud-Größe, Trimmgrad, Raumklima und Ausgangsnässe ab. In der Praxis liegen viele Ernten nach Regen bei etwa 7 bis 12 Tagen, manchmal auch länger.

Wichtiger als die reine Tageszahl ist der Verlauf:

Sehr große, dichte Colas brauchen länger und sind riskanter. Deshalb ist es oft besser, sie vor dem Trocknen aufzuteilen.

Kann ich leicht verdächtige Stellen großzügig wegschneiden und den Rest konsumieren?

Wenn es sich um klar begrenzte, kleine Stellen handelt und du großzügig ins gesunde Gewebe zurückschneidest, kann der Rest der Pflanze noch verwertbar sein. Aber das setzt voraus, dass:

Was du nicht tun solltest:

Bei sichtbarem Schimmel gilt grundsätzlich Vorsicht. Gesundheit geht vor Ertrag.

Fazit

Cannabis nach Regen zu ernten ist eine Stresssituation, aber kein automatischer Totalschaden. Entscheidend ist, dass du nicht reflexhaft, sondern biologisch sinnvoll und praktisch sauber handelst. Das Kernprinzip lautet: freie Nässe schnell reduzieren, Schimmel konsequent ausschließen, Trocknung aktiv steuern und Restfeuchte ehrlich beurteilen.

Die wichtigsten Take-Aways sind:

Wenn du Outdoor anbaust, solltest du dieses Thema nicht erst bei der Ernte durchdenken. Gute Prävention beginnt früher:

Verwandte Themen, die du im Gesamtzusammenhang unbedingt mitdenken solltest, sind:

Am Ende gilt: Eine leicht frühere, sauber gerettete Ernte ist fast immer besser als eine perfekte Wunschreife, die im Regen fault. Wer nasse Buds richtig diagnostiziert und die Trocknung professionell steuert, kann auch unter schwierigen Herbstbedingungen erstaunlich viel Qualität sichern.

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